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Donnerstag, 30. Mai 2019

Vor 150 Jahren: Nietzsches Antrittsvorlesung in Basel


1869 ernannte die Universität Basel den 24-jährigen Friedrich Nietzsche zum Professor für griechische Sprache und Literatur. Basel war ein Markstein für den jungen Nietzsche, denn hier begegnete er Wagner und hier legte er den Grundstein für seine spätere philosophische Karriere.

„Noch nie habe ich einen jungen Mann gekannt, der so früh und so jung schon so reif gewesen wäre wie dieser Nietzsche.“ Mit diesen Worten preist der Leipziger Professor Friedrich Wilhelm Ritschl seinen Doktoranden bei den Kollegen in Basel an. Und die Schweizer greifen zu. Ohne vorherige Habilitation vertrauen sie dem 24-Jährigen die Professur für griechische Sprache und Literatur an. Zweifel hat nur Friedrich Nietzsche selbst:

Am 28. Mai 1869 hielt Friedrich Nietzsche seine Antrittsvorlesung an der Universität Basel. „Gestern hielt ich vor ganz gefüllter Aula meine Antrittsrede, und zwar ‚über die Persönlichkeit Homers‘, mit einer Menge von philosophisch-ästhetischen Gesichtspunkten, die einen lebhaften Eindruck hervorgebracht zu haben scheinen“, schreibt Nietzsche an Erwin Rhode nach Italien. Doch schon zweieinhalb Wochen später gesteht er dem Freund:

„Es tritt allmählich das ein, was ich von Anfang an sicher erwartete: Ich fühle mich unter der Masse meiner geehrtesten Kollegen so recht fremd und gleichgültig, dass ich bereits mit Wollust Einladungen und Aufforderungen aller Art zurückweise. Darin stimmen wir also wieder einmal überein: Wir können die Einsamkeit vertragen, ja wir lieben sie.“

„Vielleicht gehöre ich überhaupt nicht zu den spezifischen Philologen. Es fehlte an einigen äußeren Zufälligkeiten, sonst hätte ich es gewagt, Musiker zu werden.“blockquote>

Basel wurde für Nietzsche so etwas wie eine Schicksalsstadt. Die huldvolle Verehrung Wagners kippte in nackte Aversion um. Nach dem Bruch begann die Selbstfindung. Doch Nietzsches gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich zunehmend. Migräneanfälle und Magenprobleme peinigten ihn.

Nach zehn Jahren konnte er sein Amt als Professor nicht länger ausüben. Einige der wichtigsten Texte der Basler Zeit waren da noch gar nicht publiziert, etwa „Über das Pathos der Wahrheit“ oder „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“.

Der Pastorensohn Nietzsche fand in Basel neben dem Moralphilosophen Arthur Schopenhauer sein zweites Idol: Den Komponisten Richard Wagner, der im nahen Tribschen ein Landhaus bezogen hat. An beiden schätzte er: „die ethische Luft, den faustischen Duft, Kreuz, Tod und Gruft.“


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