Nietzsche ist inspirierend und wichtig als Kritik und Impuls. Er verstand sich selbst als Experimentalphilosoph, und das ist eine bleibende Leistung, Neuland zu betreten, zu analysieren und vor allem, keine Scheu zu haben vor neuen Vorschlägen.
Nietzsches Denken und Leben kann als lebendiges Exempel eines freien Geistes gelesen und verstanden werden. Sein Werk ist eine wahre Fundgrube der Freigeisterei.
Der freie Geist ist bei Nietzsche ein anthrologisches Ideal. Nietzsche verfolgt das Konzept des freien Geistes in seinem Werk. Frage nach dem Konzept des freien Geistes in Nietzsches Werk.
Nietzsche: »... der aus dem Blickwinkel eines befreiten Geistes heraus die Welt und die Menschen betrachtet und dabei durchaus nicht rechthaberisch ist, sondern seine Freigeistigkeit auch als Verlust von Integration und Gewissheit empfindet. Für Nietzsche ist trotz dieser Unannehmlichkeit die Freigeistigkeit nicht nur nicht amoralisch, sondern selbst moralisches Gebot.
Im tieferen Sinne ist aber der Freigeist bei Nietzsche jemand, der sein Denken von verzerrenden Einflüssen befreit hat. Auch die Ehe schade dem Freigeist (Menschliches, Allzumenschliches). Der Freigeist, der auf der Suche nach der einen, der einzigen Wahrheit ist, also der tieferen Wahrheit, wird sich dieser Wahrheitsverfälschungen gewahr und versucht, sein Denken davon freizumachen.
Der Freigeist ist, wie Nietzsche sagt, eine Sorte Mensch, die nur von ihresgleichen erkannt werden kann und von den Zeitgenossen missverstanden oder sogar verachtet wird. Die gewöhnliche Welt würde einen solchen Freigeist als „Weisen“ bezeichnen, aber nicht als gewöhnlichen Weisen, weil die gewöhnliche Weisheit mit Erfahrung gleichgesetzt wird.«
»Man nennt den einen Freigeist, welcher anders denkt, als man von ihm auf Grund seiner Herkunft, Umgebung, seines Standes und Amtes oder auf Grund der herrschenden Zeitansichten erwartet. Er ist die Ausnahme, die gebundenen Geister sind die Regel; diese werfen ihm vor, daß seine freien Grundsätze ihren Ursprung entweder in der Sucht aufzufallen haben, oder gar auf freie Handlungen, das heißt auf solche, welche mit der gebundenen Moral unvereinbar sind, schließen lassen. Bisweilen sagt man auch, diese oder jene freien Grundsätze seien aus Verschrobenheit und Überspanntheit des Kopfes herzuleiten; doch spricht so nur die Bosheit, welche selber an das nicht glaubt, was sie sagt, aber damit schaden will: denn das Zeugnis für die größere Güte und Schärfe seines Intellekts ist dem Freigeist gewöhnlich ins Gesicht geschrieben, so lesbar, daß es die gebundenen Geister gut genug verstehen. Aber die beiden andern Ableitungen der Freigeisterei sind redlich gemeint; in der Tat entstehen auch viele Freigeister auf die eine oder die andere Art. Deshalb könnten aber die Sätze, zu denen sie auf jenen Wegen gelangten, doch wahrer und zuverlässiger sein als die der gebundenen Geister. Bei der Erkenntnis der Wahrheit kommt es darauf an, daß man sie hat, nicht darauf, aus welchem Antriebe man sie gesucht, auf welchem Wege man sie gefunden hat.«
Friedrich Nietzsche, »Menschliches, Allzumenschliches«