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Samstag, 18. April 2020

Friedrich Nietzsche als Denker in der Krise

Friedrich Nietzsche


In der Krise haben Philosophen und Denker Hochkonjunktur, ist doch ihre Meinung und Deutung einer Krise besonders gefragt. Eine Krise schenkt besondere Momente der (Selbst-)Reflektion, denn der Mensch verfügt nun über unerwartet geschenkte Zeit - auch Zeit zum Nachdenken - und er ist auf sich selbst zurückgeworfen.

Die Fröhliche Wissenschaft
»Die fröhliche Wissenschaft« aus dem Jahre 1882 ist eine Künstlerschrift und stammt aus seiner mittleren Schaffensphase, als es ihm darum ging, in der "Sprache des Tauwinds" traditionelle Wertformen und Denkhaltungen zu überwinden und an die Stelle metaphysisch orientierter Moral und Philosophie die Selbstbestimmung des heiteren »freien Geistes« zu setzen. In diesem Werk stellt er fest, daß wir die Welt nur von unserem Standpunkt aus wahrnehmen können und dabei auf unsere Sinnesorgane, unseren kognitiven Apparat und unsere sprachlich und kulturell gebildeten Wahrnehmungsmuster zurückgreifen.

Betrachtet man seine erkenntnistheoretische Schrift und gedankliche Grundlegung , so kommt man um die Feststellung nicht umhin, daß Nietzsche in Zeiten einer pandemischen Krise zu einer gesunden Portion Skepsis angehalten hätte und in diesem gedanklichen Grundzug folgt er dem großen schottischen Denker David Hume.- Wo Skepsis zu Reflektion führt, wird Reflektion auch zur Gewinnung von neuen Erkenntnissen führen, welche u.a. zur Lösung eines Problemes führen können.

In seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk »Die fröhliche Wissenschaft« schreibt er mit einer gesunden Portion Skepsis: "Ich lobe mir jede Skepsis, auf welche mir erlaubt ist zu antworten: Versuchen wir es."

Der zweite Grundzug der Skepsis ist folgender: Skepsis ist auch eine waltende Grundhaltung, welche den Menschen im täglichen Leben zur Vorsicht anhalten sollte. So ist eine Pandemie eine für Menschen fremde Erscheinung und alle Informationen über die Pandemie sind zunächst mit einer gesunden Portion Skepsis im Hinblick auf die enthaltene Wahrheit zu betrachten, bevor ein abwägendes Urteil im Hinblick auf das eigene Handeln getroffen wird. Ist die Skepsis größer als die Vernunft, so führt diese zu Fehleinschätzungen bei der Erkenntnis der Wahrheit.

Die laufende Überprüfung von Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt lässt die Skepsis schwinden. Wird die Wahrheit über eine Pandemie und ihre Verbreitung erkannt, dann können Maßnahmen zum Schutz von Menschen ergriffen und verbindliche Regeln aufgestellt werden.

So lässt sich auch in einer Pandemie dieser mit recht fröhlicher Erkenntnis ordentlich zu Leibe rücken. Es lohnt sich also, auch Friedrich Nietzsche in Zeiten der Krise zu denken, denn gerade in erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Zusammenhängen zeigt sich die Aktualität des provokanten und skeptischen Denkers, der sich das Verdienst zuspricht, als erster die Wissenschaft zum Problem gemacht zu haben.

Literatur [ >> ] :

Die Fröhliche Wissenschaft
Die Fröhliche Wissenschaft
von Friedrich Nietzsche

Morgenröte / Idyllen aus Messina / Die fröhliche Wissenschaft.
Morgenröte / Idyllen aus Messina / Die fröhliche Wissenschaft.
von Giorgio Colli und Mazzino Montinari

Samstag, 11. April 2020

Friedrich Nietzsche als Denker in der Krise

Friedrich Nietzsche


In der Krise haben Philosophen und Denker Hochkonjunktur, ist doch ihre Meinung und Deutung einer Krise besonders gefragt. Von all den Krisenerklärern und .deutern kommt Friedrich Nietzsche den reflektierenden Denkern am nächsten, ist doch die Krise ein besonderes Phänomen der Wahrnehmung.

Es lohnt sich, auch Friedrich Nietzsche in Zeiten der Krise zu denken, denn gerade in erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Zusammenhängens zeigt sich die Aktualität des provokanten und skeptischen Denkers, der sich das Verdienst zuspricht, als erster die Wissenschaft zum Problem gemacht zu haben.

Auch wenn dieser Originalitätsanspruch etwas übertrieben ist, so hat Nietzsche doch in besonders prägnanter Weise den historischen und kulturell veränderlichen Charaker der wissenschaftlichen Weltauffassungen sowie deren Asketismus herausgestrichen und jeden - wie von Hegel vertretenen - absoluten Wahrheitsanspruch als unhaltbar zurückgewiesen.

Themen, die heute Wissenschaftstheoriker und -soziologen umtreiben, hat Nietzsche in seiner Philosophie des Perspektivismus vorweggenommen. Wir können die Welt nur von unserem Standpunkt aus wahrnehmen und greifen dabei auf unsere Sinnesorgane, unseren kognitiven Apparat und unsere sprachlich und kulturell gebildeten Wahrnehmungsmuster zurück.

Aus dieser perspektivischen Befangenheit treten wir niemals heraus; wir können, so Friedrich Nietzsche , niemals um unsere Ecke sehen. Doch sind wir sehr wohl in der Lage, uns die Bedingtheit und die damit verbundene Ungerechtigkeit aller Erkenntnis bewußt zu machen. Als Konsequenz dieser Einsicht sollten wir unterschiedliche Sichtweisen erwägen und ausprobieren.

Nietzsche verbindet seinen Perspektvismus so mit einer aufgeklärten und pluralisitischen Experimentalphilosophie und einer gesunden Portion Skepsis: "Ich lobe mir jede Skepsis", schreibt er in seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk »Die fröhliche Wissenschaft«, "auf welche mir erlaubt ist zu antworten: Versuchen wir es."

Eine Pandemie ist eine fremde Erscheinung und alle Infomationen über die Pandemie sind zunächst mit einer gesunden Portion Skespis zu betrachten, denn Skepsis ist eine gesunde Grundhaltung der Erkenntnis gegenüber fremden Erscheinungen, aber sie schützt vor Irrtümern nicht. Ist die Skepsis größer als die Vernunft, so führt diese zu Fehleinschätzungen bei der Erkenntnis der Wahrheit.

Die Überprüfung von Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt lässt die Skepsis schwinden. Wird die Wahrheit über eine Pandemie und ihre Verbreitung erkannt, dann können Maßnahmen zum Schutz von Menschen ergriffen und verbindliche Regeln aufgestellt werden.