
Für einen kurzen Zeitraum in der letzten Phase seines Lebens, genau vom 21. September 1888 bis zum 9. Januar 1889, lebte der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche in der Stadt Turin. Eine kurze Zeit, aber genug für Nietzsche, sich in die Stadt und ihre Leute zu verlieben.
Seine Wohnung befand sich in der Via Carlo Alberto 6 im vierten Stock. Hier logierte er für 30 Lire pro Monat, hatte er ein Zimmer mit Blick auf den Platz, gerade über dem Eingang der »Subalpine Galerie«, geführt von Davide und Candida Fino, den Zeitungsladenbesitzern an der Piazza Carlo Alberto, gemietet. Diese hatten ihm sogar ein Klavier zur Verfügung gestellt, an welchem laut Zeugnissen, Nietzsche mehrere Stunden am Tag spielte.
Ihm gefielen in Turin die vielen schönen Cafes, die schönsten, meinte er, die er je sah. So wurde der Philosoph in Turin zum passionierten Kaffeehausbesucher. Dort konnte er nachdenken auf eine müßige Art und das Leben an sich vorbeiziehen lassen und Menschen beobachten.
Anfang Januar 1889 trat Nietzsche aus seiner Turiner Wohnung an der Piazza Carlo Alberto. Als er sah, wie ein Droschkenkutscher auf sein Pferd einschlug, fiel er dem Tier um den Hals und brach schluchzend zusammen.
Fino, sein Zimmerwirt, der einen Zeitungskiosk an der Piazza besaß, brachte den Professore schließlich nach Hause, von einer Menschenmenge umringt.