Kritische Studienausgabe von Giorgio Colli und Mazzino Montinari
Friedrich Nietzsche kommt das große Verdienst zu, über eine einzigartige , bis heute anhaltende Rezeptionsgeschichte mit weltweiter Resonanz zu verfügen.
Giorgio Colli und Mazzino Montinari wagten in den 1960er Jahren das Unternehmen, eine ultimative Kritische Nietzsche-Ausgabe in ungeheurer Detailarbeit und mit großen Entbehrungen aus den vorhandenen Editionen und dem Nachlass zusammmenzustellen.
Anfang der 1960er Jahre bereiteten Giorgio Colli und Mazzino Montinari eine italienische Ausgabe Nietzsches vor. Dazu brauchten sie allerdings eine verlässliche deutschsprachige Grundlage. Sowohl die alten Ausgaben des Archivs als auch die Schlechta-Ausgabe warfen dabei ungeklärte Fragen auf. Insbesondere war für eine vollständige Ausgabe des Nachlasses offenbar keine der vorherigen Ausgaben geeignet.
Montinari reiste 1961 nach Weimar, um sich einen Überblick über die vorliegenden Originalmanuskripte zu verschaffen, und kam in Beratungen mit Colli überein, dass sie eine völlig neue, kritische Gesamtausgabe herausgeben müssten. Der Verlag Einaudi, der die Übersetzung herausgeben sollte, lehnte dieses Projekt jedoch aus Bedenken finanzieller und ideologischer Art ab. Im Zuge dessen gründete der zuvor bei Einaudi angestellte Luciano Foà den neuen Verlag Adelphi Edizioni und sicherte durch einen Vertrag mit dem großen Pariser Verlag Gallimard das Erscheinen der neuen Ausgabe; die ersten italienischen Bände erschienen 1964.
Erst danach zeigte der deutsche Verlag De Gruyter Interesse, und ab 1967 erschien die Kritische Gesamtausgabe (KGW) auch in deutscher Sprache. In den 1970ern löste sie, unterstützt durch die ebenfalls von Montinari mitbegründeten Nietzsche-Studien, die früheren Ausgaben als Standardausgabe ab. Bis heute sind ca. 40 Bände erschienen, insbesondere seit 2001 der Nachlass ab 1885 in differenzierter Transkription und mit beigelegten Faksimile-CD-ROMs. Im Wesentlichen fehlen noch einige Kommentarbände.
Literatur:

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