In der Krise haben Philosophen und Denker Hochkonjunktur, ist doch ihre Meinung und Deutung einer Krise besonders gefragt. Von all den Krisenerklärern und .deutern kommt Friedrich Nietzsche den reflektierenden Denkern am nächsten, ist doch die Krise ein besonderes Phänomen der Wahrnehmung.
Es lohnt sich, auch Friedrich Nietzsche in Zeiten der Krise zu denken, denn gerade in erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Zusammenhängens zeigt sich die Aktualität des provokanten und skeptischen Denkers, der sich das Verdienst zuspricht, als erster die Wissenschaft zum Problem gemacht zu haben.
Auch wenn dieser Originalitätsanspruch etwas übertrieben ist, so hat Nietzsche doch in besonders prägnanter Weise den historischen und kulturell veränderlichen Charaker der wissenschaftlichen Weltauffassungen sowie deren Asketismus herausgestrichen und jeden - wie von Hegel vertretenen - absoluten Wahrheitsanspruch als unhaltbar zurückgewiesen.
Themen, die heute Wissenschaftstheoriker und -soziologen umtreiben, hat Nietzsche in seiner Philosophie des Perspektivismus vorweggenommen. Wir können die Welt nur von unserem Standpunkt aus wahrnehmen und greifen dabei auf unsere Sinnesorgane, unseren kognitiven Apparat und unsere sprachlich und kulturell gebildeten Wahrnehmungsmuster zurück.
Aus dieser perspektivischen Befangenheit treten wir niemals heraus; wir können, so Friedrich Nietzsche , niemals um unsere Ecke sehen. Doch sind wir sehr wohl in der Lage, uns die Bedingtheit und die damit verbundene Ungerechtigkeit aller Erkenntnis bewußt zu machen. Als Konsequenz dieser Einsicht sollten wir unterschiedliche Sichtweisen erwägen und ausprobieren.
Nietzsche verbindet seinen Perspektvismus so mit einer aufgeklärten und pluralisitischen Experimentalphilosophie und einer gesunden Portion Skepsis: "Ich lobe mir jede Skepsis", schreibt er in seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk »Die fröhliche Wissenschaft«, "auf welche mir erlaubt ist zu antworten: Versuchen wir es."
Eine Pandemie ist eine fremde Erscheinung und alle Infomationen über die Pandemie sind zunächst mit einer gesunden Portion Skespis zu betrachten, denn Skepsis ist eine gesunde Grundhaltung der Erkenntnis gegenüber fremden Erscheinungen, aber sie schützt vor Irrtümern nicht. Ist die Skepsis größer als die Vernunft, so führt diese zu Fehleinschätzungen bei der Erkenntnis der Wahrheit.
Die Überprüfung von Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt lässt die Skepsis schwinden. Wird die Wahrheit über eine Pandemie und ihre Verbreitung erkannt, dann können Maßnahmen zum Schutz von Menschen ergriffen und verbindliche Regeln aufgestellt werden.
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